Wer bei der Sanierung nur alte Steckdosen durch neue ersetzt, spart an der falschen Stelle. Ein gutes Beispiel für die Elektroplanung eines Einfamilienhauses bei der Sanierung zeigt: Die spätere Nutzung entscheidet über Leitungen, Dosen, Stromkreise und den Platz im Verteiler. Was jetzt hinter Putz verschwindet, lässt sich später nur mit Aufwand ergänzen.
Die Elektroplanung ist deshalb kein Detail, das erst nach Fliesen, Küche und Wandfarben kommt. Sie ist die Grundlage dafür, dass Licht dort ankommt, wo es gebraucht wird, dass die Küche ohne fliegende Mehrfachsteckdosen funktioniert und dass Smart Home, Wallbox oder PV-Anlage später nicht an fehlenden Reserven scheitern. Die Ausführung und Prüfung gehören dabei in die Hände eines qualifizierten Elektrofachbetriebs. Als Bauherr oder Sanierer können Sie die Anforderungen jedoch sehr konkret vorbereiten.
Erst den Alltag planen, dann die Leitungen
Der klassische Fehler: Steckdosen werden nach einem alten Grundriss gesetzt, obwohl sich das Haus völlig anders nutzen soll. Vielleicht wird aus dem ehemaligen Kinderzimmer ein Homeoffice, die Küche zieht in einen offenen Wohnbereich oder im Keller entsteht ein Hauswirtschaftsraum. Jede dieser Änderungen beeinflusst die Elektroinstallation.
Gehen Sie Raum für Raum durch und stellen Sie einfache, aber entscheidende Fragen: Wo stehen Möbel dauerhaft? Wo wird gearbeitet, geladen, gekocht oder ferngesehen? Welche Leuchten sollen geschaltet, gedimmt oder automatisiert werden? Und welche Geräte kommen realistisch in den nächsten zehn Jahren hinzu?
Auf dem Grundriss sollten nicht nur Steckdosen und Schalter landen. Zeichnen Sie auch Netzwerkdosen, Antennenanschlüsse, Rauchwarnmelder, Rollladenantriebe, Türkommunikation, Außenleuchten, Bewegungsmelder und mögliche Smart-Home-Komponenten ein. Eine Steckdose hinter dem Sofa ist wertvoller als eine, die später vom Schrank verdeckt wird.
Beispiel Elektroplanung für die Einfamilienhaus-Sanierung
Nehmen wir ein typisches Einfamilienhaus mit Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss. Im Zuge der Sanierung werden Küche und Wohnbereich geöffnet, ein Raum im Obergeschoss wird zum Büro und die Haustechnik soll zukunftsfähig vorbereitet werden. Ziel ist keine Luxusausstattung um jeden Preis, sondern eine solide Installation mit sinnvollen Reserven.
Eingangsbereich und Flur
Im Flur braucht es mehr als einen Lichtschalter an der Haustür. Bei zwei Geschossen ist eine Wechselschaltung oder eine durchdachte Smart-Home-Steuerung sinnvoll, damit das Licht von mehreren Stellen bedient werden kann. Planen Sie eine Steckdose für Staubsauger oder saisonale Beleuchtung ein. Für Außenlicht, Klingel, Türöffner und gegebenenfalls eine Kamera sind separate Leitungswege sinnvoll.
Wohn- und Essbereich
Hier entstehen die meisten Nachrüstwünsche. An der TV-Wand reichen oft weder zwei Steckdosen noch ein einzelner Netzwerkanschluss. Fernseher, Receiver, Soundbar, Konsole, Router-Zubehör und Ladegeräte brauchen Platz. Mehrere Steckdosen, mindestens eine Netzwerkdose und ausreichend Leerrohre vermeiden später sichtbare Kabelkanäle.
Für die Beleuchtung sind getrennte Lichtzonen praktisch: Grundlicht, Esstisch, indirektes Licht und eventuell eine Leseleuchte. Wer dimmbare LED-Leuchten oder smarte Leuchtmittel einsetzen möchte, muss Schalter, Dimmer und Leuchtmittel aufeinander abstimmen. Nicht jede LED ist mit jedem Dimmer kompatibel. Bei klassischer Verdrahtung sollte der Fachbetrieb früh wissen, welche Leuchten und Bedienelemente vorgesehen sind.
Küche und Hauswirtschaftsraum
Die Küche benötigt eigene Stromkreise für leistungsstarke Geräte. Kochfeld, Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank, Dunstabzug und Arbeitssteckdosen dürfen nicht einfach an einer bestehenden Leitung mitlaufen. Die konkrete Aufteilung richtet sich nach Geräteplanung, Leistung und den Vorgaben des Fachbetriebs.
Wichtig ist die Abstimmung mit dem Küchenplan. Steckdosen über der Arbeitsplatte, Anschlüsse für Beleuchtung unter Hängeschränken und Positionen für Einbaugeräte müssen vor dem Verputzen feststehen. Im Hauswirtschaftsraum kommen Waschmaschine, Trockner, Gefrierschrank, Heizungstechnik und häufig Netzwerk- oder Steuerungskomponenten hinzu. Hier lohnt sich ein großzügiger Ansatz besonders.
Schlafzimmer, Kinderzimmer und Büro
Neben dem Bett sind Steckdosen auf beiden Seiten heute Standard, nicht Komfort. Ergänzen Sie Schalter für die zentrale Beleuchtung und bei Bedarf Anschlüsse für Wand- oder Leselampen. In Kinderzimmern verändern sich Anforderungen: Erst Nachtlicht und Babyphone, später Schreibtisch, Bildschirm, Konsole und Ladegeräte. Zusätzliche Dosen kosten in der Rohbauphase deutlich weniger als eine spätere Nachrüstung.
Im Homeoffice sind mindestens zwei Netzwerkanschlüsse am Arbeitsplatz sinnvoll, wenn stationärer PC, Telefon oder Dockingstation eingesetzt werden. WLAN ist praktisch, ersetzt aber bei Videokonferenzen, großen Datenmengen oder mehreren Nutzern nicht immer eine kabelgebundene Verbindung. Ein Leerrohr zum Arbeitsplatz ist eine günstige Reserve für spätere Technik.
Bad, Keller und Außenbereich
Im Bad gelten besondere Schutzbereiche und Anforderungen an die Schutzart. Hier entscheidet der Elektrofachbetrieb, welche Betriebsmittel wo zulässig sind. Planen Sie dennoch die Nutzung klar: Spiegelleuchte, Steckdosen am Waschtisch, Handtuchheizkörper, Waschmaschine oder elektrische Fußbodentemperierung brauchen definierte Anschlüsse.
Im Keller werden Steckdosen häufig unterschätzt. Werkbank, Gefriertruhe, Pumpen, Licht und Technikraum sollten nicht an einem einzigen Stromkreis hängen. Außen benötigen Terrasse, Garten, Carport und Hauseingang wetterfeste Lösungen mit passender Schutzart. Denken Sie an Gartenbeleuchtung, Rasenroboter, elektrische Markise und mögliche Stromversorgung am Stellplatz.
Stromkreise und Verteiler mit Reserve auslegen
Ein moderner Sicherungskasten ist das Herz der Anlage. Die Anzahl der Stromkreise, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen und Leitungsschutzschalter wird nicht nach Gefühl festgelegt, sondern vom Fachbetrieb passend zur Nutzung und zu den geltenden Normen geplant. Für Sanierer ist vor allem ein Punkt entscheidend: Der Verteiler darf nicht bis zur letzten Teilungseinheit voll sein.
Freie Plätze schaffen Handlungsspielraum für PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Klimagerät, Wallbox oder zusätzliche Rollladensteuerungen. Auch Zählerplatz und Hausanschluss müssen bei größeren Vorhaben früh geprüft werden. Wer eine Wallbox nur „irgendwann vielleicht“ plant, sollte das Leerrohr und die Anschlussmöglichkeit trotzdem jetzt mitdenken.
Separate Stromkreise erhöhen außerdem die Alltagstauglichkeit. Fällt ein Gerät aus oder löst ein Schutzschalter aus, liegt nicht gleich das gesamte Erdgeschoss im Dunkeln. Besonders Küche, Bad, Außenbereich, Kellertechnik und Arbeitszimmer profitieren von einer sauberen Aufteilung.
Schalterprogramm, Licht und Smart Home früh festlegen
Die Technik soll funktionieren, aber sie soll auch zum Haus passen. Ein einheitliches Schalterprogramm sorgt über alle Räume hinweg für ein stimmiges Bild. Ob klassisches Weiß, Anthrazit, Edelstahloptik oder eine flache Designserie: Entscheidend ist, dass Rahmen, Wippen, Steckdosen, USB-Ladelösungen und Sonderfunktionen aus einer Serie kombinierbar bleiben.
Bei einer Sanierung ist Smart Home besonders dann sinnvoll, wenn Leitungswege ohnehin geöffnet werden. Rollläden nach Uhrzeit steuern, Außenlicht per Bewegungsmelder schalten, Verbrauch messen oder Leuchten flexibel automatisieren: Das kann Komfort und Energieeffizienz verbessern. Es muss aber zum Nutzungsverhalten passen. Wer einfache, nachvollziehbare Bedienung bevorzugt, startet mit einzelnen Komponenten wie smarten Relais, Heizungssteuerung oder Lichtgruppen statt mit einem überladenen Gesamtsystem.
Sinnvoll ist eine Planung in Stufen. Zuerst kommen sichere, fachgerecht ausgeführte Grundinstallation, ausreichend Steckdosen, Netzwerk und Leerrohre. Smarte Funktionen können dann gezielt ergänzt werden. Gerade Shelly-basierte Lösungen sind für viele Modernisierungen interessant, sofern Einbausituation, Schalterart und Netzwerkkonzept dazu passen.
Die Unterlagen, die den Einkauf leichter machen
Für ein konkretes Angebot und eine vollständige Materialliste brauchen Sie keinen perfekten Elektroplan. Ein bemaßter Grundriss, Fotos vom bestehenden Verteiler, die Küchenplanung und eine Liste Ihrer Wünsche reichen als Start. Markieren Sie außerdem, welche Wände geöffnet werden und ob Decken abgehängt werden. Das entscheidet darüber, welche Leitungswege wirtschaftlich machbar sind.
Notieren Sie pro Raum die gewünschte Anzahl an Steckdosen, Lichtauslässen und Schaltstellen. Ergänzen Sie Sonderwünsche wie Netzwerk, elektrische Rollläden, Außensteckdosen, LED-Streifen oder USB-Anschlüsse. Daraus lassen sich Schalterprogramm, Abdeckungen, Dosen, Verteilerkomponenten und passende Leuchten deutlich gezielter auswählen. Bei größeren Projekten hilft fachliche Beratung, Fehlkäufe und unnötige Nachbestellungen zu vermeiden.
Eine gute Sanierungselektroplanung erkennt man nicht daran, dass möglichst viel Technik verbaut wurde. Sie zeigt sich später darin, dass jede Steckdose sinnvoll sitzt, Licht angenehm steuerbar ist und für die nächste Veränderung im Haus noch Platz bleibt.